Was für ein Kraftakt am Freitagabend: Gegen die Devils aus Ulm mussten die Fans des EHC Königsbrunn zunächst einiges aushalten. Nach einem bitteren 0:2-Rückstand schien die Partie lange in die falsche Richtung zu laufen, doch die Brunnenstädter bewiesen Herz, Moral und einen langen Atem. Mit großer Leidenschaft kämpfte sich der EHC zurück, rettete sich in die Overtime und belohnte sich dort mit einem umjubelten Sieg sowie zwei wertvollen Punkten nach einem schwierigen Saisonstart.
Helling setzt auf vier Reihen und Erfahrung im Tor
EHC-Coach Maxi Helling konnte für das Spiel aus dem Vollen schöpfen und vier Reihen aufbieten. Zwischen den Pfosten vertraute er vom ersten Bully an auf Routinier Stefan Vajs, während Nico Hetzel als Backup bereitstand. Auch die Gäste reisten mit 16 Feldspielern an und gingen mit drei Reihen in ein Duell, das von Beginn an viel Intensität versprach.
Ulm nutzt Königsbrunner Unsicherheiten konsequent
Beide Mannschaften starteten mit viel Tempo und spürbarer Entschlossenheit in die Partie. Königsbrunn hatte bereits in der dritten Minute die erste große Möglichkeit, doch einen Alleingang entschärfte der Ulmer Goalie Lukas Schulte stark. Statt Sicherheit brachte diese Chance jedoch keine Ruhe ins Spiel der Brunnenstädter. Fehlpässe, ein unsauberer Aufbau und ungenutzte Möglichkeiten machten dem EHC das Leben schwer. Ulm verteidigte leidenschaftlich, warf sich in die Zweikämpfe und nutzte seine Chancen eiskalt: In der 17. Spielminute verwertete Bobby Slavicek einen Rebound zum 1:0. Der EHC rannte an, fand aber noch zu selten die zwingende Lösung. So ging es mit einem Rückstand und spürbarer Ernüchterung erstmals in die Kabinen.
Steinmanns Treffer bringt neue Hoffnung
Auch im Mittelabschnitt blieb Königsbrunn bemüht, fand aber zunächst nicht den erhofften Zugriff. Zu oft fehlten Tempo, Präzision und die letzte Überzeugung. Ulm spielte einfacher, geradliniger und suchte früh den Abschluss. Das 2:0 der Gäste in der 26. Spielminute war deshalb ein weiterer Nackenschlag für den EHC. Doch die Brunnenstädter gaben sich nicht auf. Immer wieder flackerte Gefahr auf, vor allem durch Einzelaktionen. In der 29. Spielminute scheiterte Marco Sternheimer nur knapp am hervorragend aufgelegten Schlussmann der Gäste. Drei Minuten später war es Kilian Steinmann, der sich auf der linken Seite energisch durchtankte und mit seinem beherzten Abschluss den Anschlusstreffer erzielte. Plötzlich war wieder Leben in der Halle, plötzlich war der EHC da. Königsbrunn drückte nun mit Macht auf den Ausgleich, ließ aber mehrere Hochkaräter liegen und betrieb bis zum Drittelende schmerzhaften Chancenwucher.
Später Ausgleich ebnet den Weg zum Overtime-Sieg
In der zweiten Pause dürfte es in der Kabine deutliche Worte gegeben haben. Danach präsentierte sich Königsbrunn wie verwandelt. Der EHC spielte entschlossener, brachte mehr Scheiben vor das Tor und setzte die Devils zunehmend unter Druck. Ulm verteidigte weiter aufopferungsvoll, doch die Brunnenstädter warfen nun alles hinein, was sie hatten. Die Uhr lief gnadenlos gegen sie, die Chancen häuften sich, doch der Puck wollte einfach nicht über die Linie. Kurz vor Drittelende kassierte Ulm dann eine Strafzeit, die folgenlos blieb. Der EHC nahm zwei Minuten vor Schluss die Auszeit und zog den Goalie zugunsten eines zusätzlichen Feldspielers. Ein mutiger Schritt, der die Halle noch einmal elektrisierte. Und dieser Mut wurde belohnt: Nachdem sich Königsbrunn im Angriffsdrittel festgesetzt hatte, nutzte Justin Maylan vor dem Tor einen Rebound und traf per Rückhand zum viel umjubelten 2:2. Die Partie ging in die Overtime, und dort dauerte es nur 59 Sekunden, bis Tim Bullnheimer in Überzahl goldrichtig stand, den Siegtreffer erzielte und den Königsbrunner Jubel endgültig explodieren ließ.
Wichtige Punkte und klare Aufgaben für den EHC
Am Ende gewannen die Brunnenstädter eine schwer umkämpfte Partie, in der sie lange leiden mussten, am Ende aber für ihren unerschütterlichen Glauben belohnt wurden. Dieser Sieg war kein spielerisches Glanzstück, aber ein wichtiger emotionaler Befreiungsschlag. Zwei Punkte bleiben in Königsbrunn, und mit ihnen die Erkenntnis, dass in dieser Mannschaft viel Wille steckt, auch wenn der EHC noch einige Baustellen hat und seine PS noch nicht konstant aufs Eis bringt. Coach Maxi Helling war nach der Partie sichtlich unzufrieden mit der gezeigten Leistung:
„Wir kommen aktuell einfach nicht in die Begegnungen. Wir sind zu langsam, sowohl körperlich als auch im Kopf. Dann versuchen wir noch, schönes Eishockey zu spielen, einen Querpass nach dem anderen, statt einfach zu starten. Im letzten Drittel hat die Mannschaft aber Moral bewiesen und sich zurückgekämpft. Da waren wir dominant und haben Chancen generiert; allein die fehlende Effizienz wäre uns fast zum Verhängnis geworden. Leider können wir momentan über 60 Minuten nicht die Qualität aufs Eis bringen, die wir im Kader haben.“
Tore: 0:1 Slavicek (Danzer) (17.), 0:2 Rudkovski (Nidens) (26.), 1:2 Steinmann (Stange) (32.), 2:2 Maylan (Bullnheimer, Tölzer) (59.), 2:3 Bullnheimer (Tölzer, Länger) (61. OT)
Strafminuten: EHC Königsbrunn 6 VfE Ulm/Neu-Ulm 6 Zuschauer: 454
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